Samstag, 10. Oktober 2026

ahnungslos


 im schwindenden licht die trauer

befragen die hände voller welkender

rosenblätter

der wald rückt den häusern näher

märchen spiegeln sich in pfützen

an das weiß der birken angelehnt

eine ahnung bei kerzenschein von

der langsamkeit

Mittwoch, 7. Oktober 2026

wu wei

 





briefe an mein selbst

verwischte vergangenheit

ungewisse zukunft

kühe die nummern tragen

fragen deren antworten

verborgen

den zustand der leere suchend

nur mit den fingerspitzen

den regentropfen folgend

treffen auf schuppige baum

reptilien mich im wald

auflösen grün ist der atem


Montag, 5. Oktober 2026

maronenbraun


das knospende leben zieht 

sich zurück die schatten werden

länger ein letzter süßer duft vom

rainfarn

die maronenbraunen augen sind

geschlossen die kindheit winkt

uns zu

großmutters schürzentasche 

prall gefüllt mit kastanien der

geruch von bratapfel in der 

küchenhexe prasselt ein feuer


Samstag, 3. Oktober 2026

definition von zeit


die zeitspanne eines tages kann 

eine ewigkeit umspannen oder

sich anfühlen wie nicht abgenabelt

die dämmerung kommt früh an

den tagen ohne gesicht sie treiben

wie das laub im wasser vorbei

hinterlassen ein schales gefühl

etwas verloren vergessen zu haben

wir löschen das licht und liegen

noch lange wach 


Mittwoch, 30. September 2026

was bleibt


 

wo ist sie geblieben

sie verschwindet hinterm

mond hinter gefüllten

hundenäpfen struppigen

schwarzen fell

ihr lächeln verweht

das haar wiegt zu schwer

bruchstücke findend an

den stränden ihrer kind-

heit

Montag, 28. September 2026

momentaufnahme

 




den geschmack von unreifen

äpfeln zaghafte sonnenstrahlen

wärmen noch

starre auf strommasten

ein letztes aufatmen

des sommers

bleich gewordene zeit

abschied vom strandleben der

leichtigkeit flügelschlag



Donnerstag, 24. September 2026

notizen vom tag

 





suche in meinem gesichtszügen

nach antworten viel zu kurze nächte

auf dem weg nach hause

verschwinden in einem gemälde

aufgesogen hinein gezogen es

verkörpert wild romantische zeiten

urängste unter harschen schnee

eingefrorene schultern blicke

Samstag, 19. September 2026

18.09.92

 


wir kennen uns solange ich 

denken kann ein halbes leben

dein körper mein vertrauter

landeplatz in den kapriolen

beständig

du erfindest meinen namen

neu sprichst eine nie gekannte

sprache

deine herzschläge spielen 

auf meinem rippenklavier

waldgrün und tief dein blick

deine lippen wellenrauschen

Dienstag, 15. September 2026

älter werden

 



möchte tanzen im rotem 

kleid über stoppelfelder

erspüren wie die lebendig-

keit sich zurück zieht

das milde licht zeichnet 

alles weich

die tage ausschöpfen bis

zum grund dabei zusehen

wie auf deiner stirn neue

falten enstehen

den ausgetrockneten krater

der wünsche auf die zukunft

projizieren

vergessen das die zeit verglimmt

wie eine zigarette im dunkeln

Sonntag, 13. September 2026

be different

 







anders sein das erkennen

beim blick in die pupillen

der katze die dir lange zu-

gehört hat und auf die 

abgestoßenen schuhe

kleine vögel freiheit nisten

in deinen haaren

harzig und pupurfarbend

pulsiert dein blut

Dienstag, 8. September 2026

elke

der tod schleicht durch

die träume die tage

klopft an türen

nah bei uns nimmt 

schweigend mit

mit geblümter bluse

blau lackierte fingernägeln

dem sandfarbenden hund

geht sie richtung wald

sie dreht sich noch 

einmal um und ich sehe

ihr gesicht
 

Samstag, 5. September 2026

der sommer hält den atem an

 




der sommer hält dem atem an

lautlos schleichen über

gepflügte äcker die stille

zieht ein zwischen die dunklen

erdbrocken

das licht vergoldeter sonnen

ergießt sich über die kargheit

verglühte asche körper verflüchtigen 

sich stehen da mit leeren händen

Freitag, 4. September 2026

verblasster alltag


draussen in der wildnis

abseits der zivilisation

wo die zeit ein konstrukt

ist grenzen verschwimmen

mit dem bitteren geschmack

von löwenzahn im mund

ein gefühl ungezähmt frei

und wild breitet sich im

körper aus

mit jedem schritt raus

verblasst der alltag
ist

Dienstag, 1. September 2026

September

 



September

Die Sonne steigt höher

und ich steige mit an

ihrer rechten Seite

Sammle die Sonnenscherben

und setzte sie im Winter wieder

neu zusammen trockcne Beifuß

und Salbei es duftet nach Äpfeln

und ich schaue durch den dunstigen

Morgen in die Weite

Mittwoch, 26. August 2026

schwellen





versiegt ist die nährende

milch längst verheilt die

großen und kleinen wunden

das wiegen auf den schoß

geübt die kleinen täglichen

abschiede wenn das haus kurz

erstirbt kein windzug sich

regt

abgenutzte erinnerungen

abgelegte kleider zu kleine

schuhe milchzähne klappern

in holzdosen

jahre ausgelöscht als hätten

sie nicht existiert


 

Freitag, 21. August 2026

nachtblind


 durchlöchertes gewebe ohne

zusammenhalt kein vertrautes

flüstern die köpfe zusammen

stecken unkontrolliertes los-

prusten geheimnisse teilen

körper zwischen schlaftrunken

und erwacht stimmen die

die frequenz der nacht imitieren

das dunkel erhellen

Mittwoch, 19. August 2026

raus gefahren

 





vorbei gefahren am leben

der anderen an wehender

wäsche im wind kaffeegeruch

fachwerkhäusern mit segensspruch

auf balken verwilderten belebtem

landschaften üppigen rosen und

sonnenblumenfeldern

wenigen qadratmetern am

fluss spiegelungen verzerrte

realität 

still gehaltene zeit

Montag, 17. August 2026

trost

 



in baumrinde geritzte

namen wir waren hier

auf weichen mooskissen

geflohen vor schimpf-

tiraden kauern dort im

kalten licht

blasen kaugummiblasen

das stolpern unserer

herzen sich beruhigt

kehren heim bei laternen-

licht die umrisse des 

betonriesen weicher





Freitag, 14. August 2026

wachstum

zeit zu reifen auf den

feldern der vergänglichkeit

vergoldetes getreide einen

sommer lang ein augenzwinkern



Sonntag, 9. August 2026

bitterkeit

 






die bitterkeit heraus spülen

mit dickem klebrigen gelben

sirup der den tisch verklebt

und die zunge  schweigt

golden bricht das licht sich

in der sirupflasche

Donnerstag, 6. August 2026

flüchtig


 in den wind gesprochene

versprechen an luftigen 

tagen zwischen den monaten

los gelassene hände dinge

momente

den salzigen geschmack

der freiheit auf der zunge

Dienstag, 4. August 2026

sein mit allem

 


sein mit allem was ist

dem milchigem dunstigem

schleier dem unnahbarem

dem verletzlichem fremdem

dem wilden ursprung


sein mit allem dem eigenen

spiegelbild den feuchtem

waldboden den morgen

auf der haut dem wachstum

von pfirsichen

der asche vergangener tage


Sonntag, 2. August 2026

der süße trägheit last


 

es riecht nach tier

und seewasser

die farbe grün

eingebrannt bis

die äpfel reifen

der süße trägheit

last an unaufgeräumten

tagen

Montag, 27. Juli 2026

chaos


ziellose schritte im offenen

gelände das spiel der blätter

im blick

im rücken gesichter gegen scheiben

gepresst

ausschau halten nach orientierung

markierung auf verlassenen pfaden

die niemand kennt

antworten suchen im aufblitzenden

blickkontakt stimmengewirr auf

fotos mit einer patina von Glück


Mittwoch, 22. Juli 2026

gebote



 

zarte gebilde der zuneigung

verknotet unter samtenem tuch

erstickt hinter schweren vor-

hängen bei leichtem luftzug

ausgesperrt im sterilen raum

aufgeräumten herzen

tief wurzelt das herzblut im

erdreich und folgt seinen

eigenen geboten

Samstag, 18. Juli 2026

juligeflüster

 




stundenweise sommer einstürzende

mauern weit gespukte kirschkerne

rot inhalieren

versprechen der leichtigkeit auf

postkarten zaghaft aufgeblähte

segel unendlichkeit

glühende sommertage  zwischen

buchenhecken

rosenblätter gepflückt von kinderhand

warmer schildkrötenpanzer schwarze

perlaugen aufgeschürfte knie

verbrannte haut blau verfärbte

finger juligeflüster

Donnerstag, 16. Juli 2026

waldbaden

 





über den farnrücken hinweg

dein blick ins weite unsere

zehen graben wir in den nassen 

waldboden auf baumstämmen

schaukeln 

hören den lauten knall fallender

bäume halten den atem an

auf der lichtung ein sonnenbad

nehmend die stille kleidet uns

vollkommen aus wir riechen nach

kiefernharz auf dem heimweg


Mittwoch, 15. Juli 2026

sommernotizen


 peace

die ruhe der natur

die leere leinwand

ein erster pinselstrich

gold glühendes gras

felder

flirren von sonnen-

punkten bei geschlossenen

lidern

schwebende watteballon

wolken

Montag, 13. Juli 2026

notizen vom tag


 was bleibt ewiges warten

verwaschene erinnerungen

ein sandkorn

die ins leere starrende 

schlafaugen einer puppe


Donnerstag, 9. Juli 2026

namenlos


einsilbige botschaften über

Schnee das vergessen weiß

kalt namenlos

wie es im schlaf tief sinkt

der kalte ostwind es mit sich

trägt aufgereihte schneemänner

gebaut von kindern mit glühenden

wangen sprache erkaltet

Dienstag, 7. Juli 2026

Erdbeeren

Theaterinszenierungen für

den Alltag zwischen den

Worten den Kostümen der 

grellen Beleuchtung einfach

nur da sein mit dem Schmetterling

auf der Fingerspitze

Erdbeeren sind mehr eine 

Erinnerung der Moment der alles 

miteinander verbindet wie auf

einem Plakat auf den großen

Bühnen der Welt

Manchmal sitzen wir still in

unserem Lieblingscafe das

Notizbuch weit offen wartend

wartend auf die Kostbarkeit 

des Augenblicks den Wasser-

tropfen der schillert wie ein

Juwel
 

Donnerstag, 2. Juli 2026

notizen vom tag


 

die abgrümde des

blaus einer getriebenen

auf der suche nach einem

schwarzen fell dem geruch

des sommers dem wohligen

prickeln unter den fußsohlen

einem schiefen lächeln in

der menge der winkenden

hand

an die wand gepinnte collagen

des gesterns häuser mit geschichte

gesichter am nachmittag straff

geflochtene haare zahnloses

lächeln gut polierte schuhe

Montag, 29. Juni 2026

nelken der nacht

 




intensiver zimt geruch

weiße nelken erblühen

in lauen spanischen 

nächten schwarze haare 

straff zurück gekämmt

mit dem glanz vom fell der

rennpferde gallopieren vor und

zurück in Gedanken

vergessen das brennende

gefühl der fremdheit

gedämpfte stimmen

gebetskerzen flackern 

im schutz schatten der

kapelle  etwas verloren im

rausch des zimtgeruchs






Sonntag, 28. Juni 2026

junihitze

 



unbeantwortete rufe gebete zwischen

verschwitzten laken tag und nacht

draußen nährende stille die straßen wie

ausgestorben nicht mal ein dösender hund

scharlachrote rosen betören peitschen ans

fenster ansonsten steht die welt eine weile

lang still 


Freitag, 26. Juni 2026

heartbeat

 





die nähte durchlässig

die bruchstelle aushalten

lernen die urgewalt des

sommers tragen auf der

haut der stirn im herzen

alt bekannt die schwere

längst verflossen unter

dem schützenden schirm

der hand in die weite

gleißende landschaft geblickt


Dienstag, 23. Juni 2026

sonnengebleichte tage


 silberhäutige wasseroberflächen

sommerkörper changieren über

kamillefelder in schlängelnden

bewegungen dem himmel entgegen

mit den schwalben vergessen die

schwerkraft

Freitag, 19. Juni 2026

grasnarben

 



sommer wogende gräser

der ruf der freiheit zwischen 

mauern 

frei wie am anfang frei wie

die unschuld frei wie wir uns noch 

nie gefühlt haben auf dem langen

weg der suche so voller narben

die poren weit geöffnet ertrinken

im grün der wälder im schutz der

haut des schattens der illusion

der träume der unberührtheit der

 brombeerblüten atmend diese 

freiheit mit zerkratztem handrücken

Mittwoch, 17. Juni 2026

Ebbe & Flut

 



Den inneren Kern vergraben unter

Apfelblüten schräge Saxophonklänge

übertönt vom Wellenrauschen

Versteck spielende Kinder Babys eng

am Körper getragen zufrieden murmelnd

Strandgutsammler die zerzauste Federn

weggespülte Worte geschliffenes Glas

und Flip Flops finden

Aufgereiht auf den Fäden der Zeit


Montag, 15. Juni 2026

trauma


was wirklich bleibt schicht
für schicht tragen wir das
leben ab die geblümte küchen-
tapete die mit den bären damals
die geometrische oder beruhigende 
grüne wir lernen damit umzugehen
manchmal rücken die wände
näher oder hinter geschlossenen 
türen lauern wölfe
treten von einen fuß auf den anderen
schauen in den spiegel spüren wie 
sich schicht für schicht alles verändert

Samstag, 13. Juni 2026

notizen vom tag


betrete einen raum mit kirschrot gestrichenen

wänden kleiderstangen voller kleidung meistens

aus wolle energeigeladene musik voller

lebensfreude erfüllt den raum mutter und

tochter sehen mich aus schrägen ozeanblauen

mangaaugen an silberschmuck und accessoirs sind 

zu entdecken 2nd hand steht auf dem Schild 

eine verbinndung aufbauen zu den dingen die

wir auf der haut tragen wie eine zweite

wolle wärmemd anschmiegsam haltbar 

als würde uns ein fell wachssen


 

Samstag, 6. Juni 2026

es war einmal


 

irgendwann habe ich aufgehört

die sommer zu zählen

der morgen in falten gelegt

hinterm fenster

den zopf der ahninnen weiter

geflochten mit schweren rotem

haar

unzählige sommer sind gespeichert

im blutplasma und den bleichen

knochen

Freitag, 5. Juni 2026

betörend

 






steinobst leuchtend flaumig

rosen üppig pastell betörend

intensiv rot der gipfel ist erreicht


es hat sich noch nicht soviel

geändert unsere worte gehen

aneinander vorbei wie erdbeer

und lakritzgeschmack


der lebenspuls der mohnfarbend

zirkuliert über die haut streicht

das herz berührt sanft schwingt 

zwischen dem alltäglichen asphalt

und geschäftigkeit



Montag, 1. Juni 2026

Brennglas

 



Tief wurzeln im Sommer

Geflochtene Gräser um 

Körper geschlungen aus

Mohnblüten Farbe für das

Wintergrau

Klebrige schwere in Mulden

unter Eichen wo sonst die Rehe

schlummerten da gabst du mir

deine Hand

Meine Hand ganz winzig im

kalten salzigen Wasser die

Angst wie ein Vogel auf der Schulter

Glühende Sonne soweit das Auge

reicht verbrennt der Sehnsucht- 

pochen rot rhythmisch die Brust

sich hebt und senkt




Freitag, 29. Mai 2026

notizen vom tag

 






rharbarber ware toll wenn

es nicht regnet das satte

schläfrige gefühl lullt mich

ein das bienenlied und der

sanfte honigwind wiegen 

mich

zwischen den atemzügen das 

gestern die ewige sehnsucht

nach strand und meer tief

verankert

längst verklungen das ausgelassene

lachen der kirschmund schweigt


Montag, 25. Mai 2026

violett

 



mit den blüten des

blauregens fallen die

tage zu boden welken

wie unsere hände sie

greifen ins leere greifen

das blau der unbefangenheit

den morgen auf der

haut das violett ist 

verblasst geruchlos


Sonntag, 24. Mai 2026

fliegen


das haus hat blaue türen

es riecht nach maiglöckchen

unterm walnussbaum die

weißen hühner die zimmer

schweigen verschwörerisch

es fällt wenig licht herein

der holzbalkon ist morsch

die treppe knarrzt

in den zimmern ein sammel

surium aus jahrzehntten

papierkraniche fliegen

im windzug



 

Donnerstag, 21. Mai 2026

mondkarussel

 


wie ein kleinkind unterm

weißen gestirn auf der

suche nach dem mond

der vertrauten hand

kreistänze lachen ebbt ab

gestrandete hände

neben sanduhren

die schwarzen leeren

flecken bleiben im

gedächtnis dort wo einst 

ein roter strom floss


Donnerstag, 14. Mai 2026

häuten


sie sprach mit gespaltenen zungen

zischelte richtung osten

verbeugte sich  gen süden

gierig gab sie ihre haut preis

empfing das getöse des windes

mit weit geöffneten armen

balancierte auf dem seil der

freiheitsliebenden über den

abgrund der vergangenheit


Mittwoch, 6. Mai 2026

Gelbe Felder






Hinaus ziehen mit den Vögeln

über Rapsfelder zwischen den

rauen Wollmänteln fand ich

Verstecke ohne Worte mit

geschlossenen Augen angelehnt

an deine Brust dein flatterndes

Vogelherz wehte im grünen

Frühlingsband

In der Tiefe erblühen unsere

Herzen und wurzeln in den

erwachenden Wäldern


Montag, 4. Mai 2026

kleine hexen



so ein abtasten mit den augen der

stimme eine suchbewegung abgleichen

ein tiefes spüren hinter und zwischen

dem gesagtem ein wiedererkennen

des kindlichen wesens

der wunsch nach nähe wahrer begegnung

und regentagen

spurensuche abdrücke vergangener zeiten

mit wackelzahn auf dem einrad im

schneegestöber

den sicherheitsabstand wahren dazwischen 

blitzt eine kleine hand auf rote gummistiefel

plüschtiere fest an kleine körper gedrückt

kirschohrringe blumenkränze hexenbesen

fingerabdrücke hinterlassen im seelengrund