Samstag, 6. Juni 2026

es war einmals


 

irgendwann habe ich aufgehört

die sommer zu zählen

der morgen in falten gelegt

hinterm fenster

den zopf der ahninnen weiter

geflochten mit schweren rotem

haar

unzählige sommer sind gespeichert

im blutplasma und den bleichen

knochen

Freitag, 5. Juni 2026

betörend

 






steinobst leuchtend flaumig

rosen üppig pastell betörend

intensiv rot der gipfel ist erreicht


es hat sich noch nicht soviel

geändert unsere worte gehen

aneinander vorbei wie erdbeer

und lakritzgeschmack


der lebenspuls der mohnfarbend

zirkuliert über die haut streicht

das herz berührt sanft schwingt 

zwischen dem alltäglichen asphalt

und geschäftigkeit



Montag, 1. Juni 2026

Brennglas

 



Tief wurzeln im Sommer

Geflochtene Gräser um 

Körper geschlungen aus

Mohnblüten Farbe für das

Wintergrau

Klebrige schwere in Mulden

unter Eichen wo sonst die Rehe

schlummerten da gabst du mir

deine Hand

Meine Hand ganz winzig im

kalten salzigen Wasser die

Angst wie ein Vogel auf der Schulter

Glühende Sonne soweit das Auge

reicht verbrennt der Sehnsucht- 

pochen rot rhythmisch die Brust

sich hebt und senkt




Freitag, 29. Mai 2026

notizen vom tag

 






rharbarber ware toll wenn

es nicht regnet das satte

schläfrige gefühl lullt mich

ein das bienenlied und der

sanfte honigwind wiegen 

mich

zwischen den atemzügen das 

gestern die ewige sehnsucht

nach strand und meer tief

verankert

längst verklungen das ausgelassene

lachen der kirschmund schweigt


Montag, 25. Mai 2026

violett

 



mit den blüten des

blauregens fallen die

tage zu boden welken

wie unsere hände sie

greifen ins leere greifen

das blau der unbefangenheit

den morgen auf der

haut das violett ist 

verblasst geruchlos


Sonntag, 24. Mai 2026

fliegen


das haus hat blaue türen

es riecht nach maiglöckchen

unterm walnussbaum die

weißen hühner die zimmer

schweigen verschwörerisch

es fällt wenig licht herein

der holzbalkon ist morsch

die treppe knarrzt

in den zimmern ein sammel

surium aus jahrzehntten

papierkraniche fliegen

im windzug



 

Donnerstag, 21. Mai 2026

mondkarussel

 


wie ein kleinkind unterm

weißen gestirn auf der

suche nach dem mond

der vertrauten hand

kreistänze lachen ebbt ab

gestrandete hände

neben sanduhren

die schwarzen leeren

flecken bleiben im

gedächtnis dort wo einst 

ein roter strom floss